Reviews zu "To Say Goodbye"

Zillo
Ausgabe Juni 2004
Eines vorweg: Der Titel des Albums soll keinesfalls andeuten, dass die Band sich auflöst. Dazu steckt ihnen die Musik viel zu sehr im Blut. Und das ist auch gut so! Was Spiritual Cramp mit diesem Album, in dem es primär um verschiedene Formen des Abschiednehmens geht, präsentiert, kann sich hören lassen! Die Band hat die drei Jahre zwischen dem letzten Album und dem aktuellen genutzt, um sich in allen Bereichen konsequent weiterzuentwickeln, ohne aber von ihrem typischen Stil, der auf eine möglichst große Vielfalt und Unberechenbarkeit setzt, abzuweichen. Die Stimmen von Ivi und Stefan, die mal einzeln und mal im Duett singen, ergänzen sich dabei herrvorragend und haben jeweils ihren eigenen Charme und tragen neben den perfekt arrangierten wavigen Electro-Melodien sehr zur Eingängigkeit der einzelnen Tracks wie "Phoenix", "Relief" oder "Wheel Of Time" bei. Doch ihre Freude am Experimentieren registriert man beispielsweise bei dem Stück "Drunken", das seine Kraft erst beim zweiten Hören entfaltet, was ein Beweis dafür ist, dass sie nach wie vor eine Band mit Ecken und Kanten geblieben sind. Kurzum, ein abwechslungsreiches Dark-Wave-Album, dem man die Liebe zum Detail auch anmerkt. (Steve Palaser)
Black Magazin
Ausgabe #36 (Sommer 2004)
Grosse Vielfalt und Kreativität, gepaart mit einer ordentlichen Portion eigenem Stil und einem Dickkopf präsentieren die Damen und Herren von Spiritual Cramp auf ihrer aktuellen Veröffentlichung "to say goodbye" - was aber nicht bedeuten soll, dass die Band nun ihren Hut und die Instrumente einpackt. Im Gegenteil : 3 Jahre haben sich Gründer Stefan Klanke (Synths,Gesang), Sängerin Ivi und der "dritte Mann" Holger Schmiedl (Gesang, Synths) Zeit für ihre neue Veröffentlichung gelassen. Eine gute Entscheidung, wie "to say goodbye" eindrucksvoll beweist. Mit einer gewagten Mischung aus Synthpop, Elektro, Wave-Einschlägen und harschen Industrialklängen liefert das Trio aus Paderborn/Bielefeld ein absolut allround-taugliches Album ab. Geht nicht ? Gibt's nicht!!! Energische Tracks wie "Phoenix" oder "The Witch" werden mit Sicherheit in Kürze die Tanzflächen der Republik entzünden. Doch auch die langsamen, nachdenklichen liegen den Cramps: mit "Outside" legen die 3 die ultimative Düsterballade á la Veljanov hin, die etwas an alte Lakaien und Dark Star erinnert. Einfach zum schmelzen! Auch einer der Vorteile, wenn alle 3 singen. Vielfalt de Luxe ist angesagt. In mehr als einer Hinsicht! Durchgehend beweisen die Cramps, dass die Melange der Stile funktioniert; mit "The Witch" eröffnen sie das Parkett mit drumlastigem, akzentuiertem Hintergrund, der als Unterlage für die flirrenden Synths dient. Verfeinert von Ivis Stimme einfach ein Hochgenuss! Besonders mit der eigenwillig walzerlichen Kreation "Drunken" beweist die Band Sinn für's Eigenwillige und dafür, dass es zum Abheben aus der Masse des musikalischen Urschlamms nur eines braucht: Talent und Kreativität. Und den Mut beides einzusetzen. Meine persönlichen Highlights sind "Phoenix" (Kinder, das gibt Dresche :-)) und das walzig-dudlige "Drunken". Wer mal wieder Zeit hat, sich auf Neues, Aufregendes einzulassen, und von 08/15-Grütze genug hat, der darf hier ruhig zugreifen. Ich bitte darum! Das Interview zur sympathischen Band findet sich im übrigen in der aktuellen Ausgabe, also: umblättern und loslesen. (R.H.)
Orkus
Nr. 6 (Juni) 2004
"Der Stil heißt Vielfalt" war die Parole schon zu Gründungszeiten von Spiritual Cramp. Eine Attitüde, die auch auf ihrem aktuellen Longplayer "to say goodbye" hörbar wird, den die drei Stiljongleure Anfang Mai veröffentlichten. Wie bereits beim Vorgänger "Time" ist auch diesmal der Wechsel von männlichen und weiblichen Vocals nur eines der Mittel, welches Spiritual Cramp einsetzen, um ihrem eigens kreierten Vielfaltsstil gerecht zu werden. Manchmal seicht, sparsam und getragen, andernorts opulent, glorios und expressiv wechseln sich Electro, Dark Wave und Synth-Pop ab; immer peinlichst darauf bedacht, auch wirklich keinen Song wie den anderen klingen zu lassen. Als zusätzliches Bonbon gibt es auf der Platte einen Remix von Elis / Erben der Schöpfung zu hören, produziert von Alexander Krull (Atrocity, Mastersound-Studio). Ein sehr kurzweiliges Album, das hoffen lässt, die Band möge sich noch lange nicht aus der Szene verabschieden. (8) Matthias Schwappach
Terrorverlag
http://www.musik.terrorverlag.de
Drei Jahre ließen sich die drei Bandmitglieder von SPIRITUAL CRAMP Zeit, bis sie nun endlich Anfang Mai ihr neues Album "to say goodbye" veröffentlichen konnten (bei Sad Records, dem Label der Düster Metaller END). Der Stil dieser CD zeichnet sich durch die wahnsinnige Vielfalt der Songs aus, die bereits bei "Time" zu beobachten war.

Ivi eröffnet das Album mit einem Song, den sie durch ihre Stimme eindrucksvoll dominiert, der zweite Track wiederum wird von Stefans bekanntem Timbre geprägt. Bei den weiteren Stücken wechseln sich die beiden ebenfalls - gekonnt - ab, so dass die Songs mal ruhig und gelassen, andererseits aber auch opulent und expressiv ausfallen. Sie verarbeiten einige der derzeit angesagten Musikstile in ihren Tracks und zeigen dabei ihre typische Verspieltheit. So wechseln sie von Electro zu Dark Wave und Synth Pop und erschaffen damit eine interessante Mixtur diverser Einflüsse. Dadurch hört sich auch kein Songs wie der andere an. \u201eThe Witch\u201c ist gleich zweimal auf dem Silberling vertreten, einmal in der \u201enormalen\u201c Version und dann zusätzlich als Remix von ELIS bzw. den ERBEN DER SCHÖPFUNG, was dem Stück eine besondere Bedeutung verleiht.

Als ich mir die Texte zu Gemüte führte, stellte ich schnell fest, dass der Album-Titel nicht ganz umsonst gewählt wurde. Man singt über vergangene Liebe, Abschiednehmen in allen möglichen Formen, Hoffnungslosigkeit, Einsamkeit und all die anderen Illusionen und Gedanken unseres kurzen Daseins. Das Ganze wird geschickt in die bandeigene Klangwelt integriert und von eindrucksvollen Synthesizer-Tönen unterstützt. Interessant ist auch der Facettenreichtum von Ivis Stimme. Mal klingt sie wie das nette Mädchen von nebenan (was sie ja auch ist, Anm. der Red.), dann jedoch wild und aggressiv. Hervorheben möchte ich auch das Lied "Drunken": Sicherlich nicht für jedermann geeignet, denn man kommt hier sehr experimentell rüber und stößt möglicherweise dem einen oder anderen lyrisch sauer auf. Stefans Stimme klingt dabei, als wenn er selbst betrunken wäre und passt somit wie die Faust aufs Auge.

SPIRITUAL CRAMP beweisen mit "to say goodbye" eindrucksvoll, dass sie in den letzten drei Jahren nicht geschlafen, sondern sich stetig weiter entwickelt haben. Ihre Musik besetzt ein weites Spektrum elektronischer Musik und wird somit sicherlich viele Anhänger finden. Schade finde ich, dass man die Ostwestfalen so selten live erleben kann, aber sie arbeiten wohl daran... Man darf gespannt sein, was man von dem Trio in Zukunft noch alles hören wird. Ich hoffe, dass sie sich nicht wieder soviel Zeit lassen, denn dieses Werk schreit nach mehr - Weiter so!
CL (03.06.2004)
Amboss Magazin
http://www.amboss-mag.de
Hallo, hier Harry Incus von Radio Amboss. Ich melde mich aus dem neuen Mekka der düster orientierten Musik, Ostwestfalen. Die Szene pulsiert, die Ideen tanzen Ringelrein. Nachdem ich euch in der gestrigen Sondersendung den Gitarren Wave näher bringen konnte (siehe Review zu Curious), geht es diesmal etwas elektronischer zur Sache. Spiritual Cramp veröffentlichten 2001 ihr Debüt und ließen sich ganze drei Jahre Zeit, um den Nachfolger zu präsentieren. Für eine junge Band eine fast endlose Zeit, aber es hat sich gelohnt. Die Band hat sich enorm entwickelt und dürfte auch einen Abstecher in Ernst Horn's Experimental-Labor unternommen haben, jedenfalls was den Ideenreichtum eingeht. Die Kompositionen sind sehr komplex, man arbeitet mit eingängigen Versatzstücken, tiefer Romantik und hat keine Angst vor Experimenten. Zu Beginn steht "Phoenix", welches mit beatiger Elektronik beginnt, dessen Monotonie sich mit Industrial Sequenzen zu einer eingängigen Melodie formt, welche vor allem durch den weiblichen Gesang etwas von Invisible Limits besitzt. Das folgende "Relief" wird von warmen männlichen Vocals begleitet. Die Musik wird etwas druckvoller, leicht härter. Sehr gefühlvoll und in einem betörenden Duettgesang gipfelnd verbindet "a star into mind" geschickt nostalgische Töne mit modernem Elektro Pop. "Detail" ist einer der schwierigeren Songs auf dem Album. Die Melodie agiert fast unterschwellig, während der Overground eine verzerrte Landschaft pinselt. Verzerrt auch die Stimmen, dadurch besitzt der Song etwas fremdartiges und wirkt bedrohlich. "Outside" besitzt wieder diese sehr gefühlvollen Passagen, welche hauptsächlich von der Stimme bestimmt werden. Die musikalische Ausrichtung bleibt sehr verwegen und wird hier sehr minimalistisch eingesetzt. "The Witch" (dieser Song ist als Bonus auch noch in der remixten Version vertreten) ist wohl der treibendste und tanzbarste Songs von Spiritual Cramp. Die Schrägheit behält man allerdings bei und die Samples erinnern an frühe Alien Sex Fiend. "Drunken" wird als experimentelles Stück gepriesen, welches den Hörer vor den Kopf stoßen wird. Wahrscheinlich deswegen, weil Iren ihre Pub Party nicht mit Elektronik unterstützen würden. Dieses Album, welches sich textlich mit dem Abschiednehmen in allen möglichen Formen wie das Ende einer Beziehung, das verwerfen von Hoffnungen, das Altern als Abschied von der eigenen Jugend (davon will ich nun gar nichts wissen!) oder gar dem Tod beschäftigt, beherbergt sehr abwechslungsreiche Songs, lebt hauptsächlich von den guten Gesangsparts, während musikalisch der Zugang nicht ganz so einfach ist. Letzteres ist durchaus positiv gemeint, da diese Ecken und Kanten, die in jedem Song vorhanden sind, sich wohltuend von der Oberflächlichkeit vieler anderer Bands abheben. (andreas)